Boganmeldelse

Frisch, Max, Blaubart

Eine Erzählung

suhrkamp taschenbuch 2194, 1993, første udgivelse 1982

Jeg ville beskrive bogen som en antikrimi. Men spændende og med et dybere indhold end sædvanlige krimis. Man kan også opfatte den som en anmeldelse af forestillingen "en retssag".

Han beskriver den selv således:

»Freispruch mangels Beweis. Wie lebt einer damit? Ich bin vierundfünfzig«, heißt es zu Beginn der Erzählung. Dr. med. Felix Schaad stand in Verdacht, mit seiner Krawatte seine ehemalige Frau Rosalinde Zogg erdrosselt zu haben. Für den Staatsanwalt steht das Motiv fest: Eifersucht. Der Staatsanwalt will Schaad für zehn Jahre ins Zuchthaus schicken, doch das Gericht erkennt auf Freispruch.

»Was meinen Blaubart betrifft: Schaad weiß nicht, was er unter Schuld versteht, und er ist nicht der einzige, der das heute nicht weiß, glaube ich. Schaad hat ein latentes Schuldgefühl. Vor Gericht wird ihm ein Delikt unterstellt, das er nicht begangen hat. Er weiß, daß er nicht der Täter gewesen ist, aber er kann nicht sagen: Ich bin unschuldig. ... Für mich geht es in diesem erwas schauerlichen Buch zentral um die Frage on Schuld - Unschuld in einem Fall, wo die Schuld nicht belegbar ist durch die Tat. ... Ich habe den Kriminalfall so durchschnittlich wie möglich gewählt, damit er nicht das Interesse abzieht, denn nicht dieser Kriminalfall hat mich interessiert, sondern die Technik der Wahrheitsfindung, das Gericht als Beispiel...« (Aus einem Gespräch zwischen Max Frisch und Günter Kunert).

Den bør man læse - og tænke over - selvom man er helt uskyldig !

Citater:

- Wie ist das gekommen, Herr Doktor? Ich meine: was hat Sie denn endlich von Ihrer krankhaften Eifersucht befreit?

- Video.

- Das verstehe ich nicht...

- Sie wissen nicht, was Video ist?

- Natürlich weiß ich das

- Das geschah nicht hinterrücks, das war ihre Idee, daß ich einmal im Nebenzimner sitze - ohne zu rauchen! - und daß ich auf dem Schirm sehe, wie sie es mit andern Männern macht, und zwar in diesem Augenblick, wenn ich es sehe. Zuerst hatte ich auch Hemmungen, aber Rosalinde wünschte es. Um mich frei zu machen. Es war eine wichtige Erfahrung. Ich habe damals drei Kunden gesehen, es war natürlich jedes Mal verschieden, aber so verschieden auch wieder nicht.

- Warum war das eine wichtige Erfahrung?

- Obschon der Bildschirm ziemlich klein st, das war deutlich zu sehen: in der Regel bedeutet ihr der Geschlechtsverkehr fast nichts. Im besten Fall, so sagte sie, sei der Coitus lustig für sie. Auch wenn es dem betreffenden Mann gelingt, sie in Ekstase zu versetzen, das hatte für sie noch nichts mit persönlicher Sympathie zu tun, ich weiß nicht, ob der zweite Herr das gemerkt hat. Er wußte nicht, daß schon jemand da gewesen ist, und erbte sie in einer gewissen Erregtheit, die ihm schmeichelte. Er nahm es persönlich 78

- Natürlich habe ich gewußt, daß ich hier nicht der einzige Besucher bin, und diese Krawatte ging mich infolgedessen nichts an. Aber bemerkt habe ich sie schon, das gebe ich zu. Das war im Dezember. Ich machte sogar eine Bemerkung, glaube ich, einen kleinen Spaß, und das nächste Mal hing die Krawatte nicht mehr in der Garderobe.

-  Wo war sie denn?

- Das weiß ich nicht.

- Wußten Sie, wessen Krawatte es war?

- Das fragt man nicht, Herr Staatsansvalt 82

- Ich kenne keinen Arzt, der denken kann. Ich selber habe einen Arzt, der sich wundert, daß ich noch lebe, und er ist mir dafür dankbar. Ein Arzt, der niemand umbringt, hat eben Glück 100

Schließlich besteht ja eine Biographie nicht bloß aus Ehen! 107

- Was haben Sie vorher gearbeitet?

- Ich mußte ja mein Leben verdienen.

- Sie waren Hilfslehrerin?

- Das stimmt.

- Und was arbeiten Sie heute?

- Ich glaube nicht mehr an unser Schulvesen hierzulande.

- Und davon können Sie leben, Frau Doktor Schaad? 110

- Das ist es ja, was ihn so aufregt: ich weiß nicht, wofür er mich strafen will. Ich sehe nur, wie er seine kostbaren Pfeifen zerbricht, eine nach der andern, weil ich seine Wut gegen mich nicht verstehe. Einmal warf er seine Uhr aus dem Fenster.

- Gegenstände also, die ihm gehören

- Das meine ich, wenn ich sage: introvertiert.

- Er geht also nicht auf andere los?

- Das habe ich nie erlebt.

- Das haben Sie nie erlebt..

- Eher erwürgt er sich selber. 111

Zeugen sind allemal glaubwürdiger als der Angeklagte, weswegen der Verteidiger sich lieber an die Zeugin richtet: 121

- Laut Akten haben Sie dem Bezirksanwalt geantwortet, Sie mögen Begräbnisse nicht, Sie können es nicht aushalten, wenn ein evangelischer Pfarrer versucht. eine verstorbene Person zu schildern, die er nie gesehen hat.

- Das habe ich gesagt. 129

... den See der nicht blau ist, aber hell wie Zink. 151


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Orla Jordal, 2007

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